Konzertkritik Skalariak im Feierwerk, München am 04.12.2003



SKALARIAK
Elusive Forces
Santeria

SKALARIAK
Elusive Forces
Santeria
 

Nachdem mir immer mehr gesagt wird ich sei eine faule Sau, weil ich kaum
mehr etwas schreibe ist es wohl am besten ich schreib sofort, weil ich`s
sonst eh wieder vergesse. Ich habe es also doch geschafft mich als werdender
Vater aus meinem Sessel zu erheben um zu einem Ska Konzert zu gehen.
Als ich Richtung Feierwerk ging fielen mir bereits drei seltsame Gestalten
auf die in die gleiche Richtung wie ich gingen. Jeder für sich mit cooler,
fast bis zu den Kniescheiben hängender Hose und dem linksintellektuellem
schüchternem Blick Richtung Boden. Dieser "Na ja, die Welt ist schlecht und
rassistisch, ich bin gut weil ich Marx lese, kommunistisch und gebildet bin
- zum Glück gibt`s ja mich, den Weltverbesserer" Blick zur Mutter Erde halt.
Als ich den mit 9 EUR erwartungsgemäß niedrigen Eintritt entrichtet hatte
ging ich an seltsamen politischen Infoständen vorbei. Irgendwie passen
politische Infostände ja nicht so richtig zu einem Ska Konzert. Ich schaute
mir dann noch den Stand von Skalariak an, worauf ich gleich mit drei
Aufklebern der Band belohnt wurde.

Mein erster Weg war dann wie immer der, zu dem netten kleinem Cafe im
hinteren Teil des Feierwerks.  Leider haben sie dort immer noch Eiterbier ,
das irgendwo aus dem Erdinger Moos stammt, nach Erdinger Moos schmeckt und
dessen Auswirkung mir momentan immer noch Kopfschmerzen bereitet.
Falls dieser Artikel Brechreize auslöst so schiebe ich es hiermit auf das
Eiterbier.

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Santeria

Santeria (München)
Als erste Band trat Santeria auf, die ich bis jetzt lediglich vom Download
aus dem Internet kannte. Aufgrund der Werbung, die sie auf ihrer
zugegebenermaßen tollen Seite machten glaubte ich, ich würde brasilianisch
angehauchten Ska serviert bekommen. Schlecht war die Band ja nicht aber auch
nicht gut.
Die noch sehr junge und damit ausbaufähige Kapelle spielten mehr Reggae und
Raggamuffin als Ska, was durchaus interessant sein kann, wenn es gut gemacht
ist. Ich dachte mir nur die ganze Zeit, dass irgend etwas fehlt. Anscheinend
merkten sie das selbst und sagten, dass sie unbedingt jemand suchen der für
sie bläst, da sich Musik mit karibischem Ursprung ohne Bläser scheiße
anhört. Um nicht missverstanden zu werden erklärten sie, dass sie einen
Posaunisten, Trompeter, Saxophonisten oder ähnliches suchen.

Januar 2005: Santeria hat inzwischen Bläser und man wird sie hoffentlich 2005 und die folgenden Jahren öfters sehen.
Wer ab diesem Zeitpunkt zu Santeria geht wird vermutlich den vollen Sound des Ska hören...

Santeria Ska aus München mit Trompeten

März 2005:
Endlich konnte ich eine Demo CD von Santeria feat. The Porn Horns hören, auf der Sie feinsten Ska mit sehr schönen Blechinstrumenten spielen. Mit Posaunisten, Trompeter und Saxophonisten hört sich Santeria richtig gut an.

Vom Stil der Lieder würde ich sagen, dass es sich um schnellen Ska, der mit Einflüssen von Ragga Muffin und einem Schuss latino-typischen Klängen verfeinert wurde handelt. Was mir besonders gut an den drei Stücken, von denen eines den Titel „Boxenluder“ hatte gefiel war der Wechsel der Geschwindigkeiten und die teilweise mit der Geschwindigkeit wechselnden unterschiedlichen Sprachen innerhalb des Boxenluders. Santeria hört sich trotz der texte, die teilweise auch auf Deutsch gesungen werden nicht wie die typischen deutschen Ska Bands mit Polka bzw. Volksmusik Einschlag sondern doch eher nach einer der vielen südamerikanischen Ska Bands an, die alle mögliche Richtungen fusionieren und damit melodiösen abwechslungsreichen Karibik Sound mit 2-tone Ska mischen. Jetzt muss ich mir Santeria nur noch einmal live anhören...

Bandmitglieder
Paradizer - Vocals
Kongo Joe - Bass
Sebi - Keyboards
Don Bepone - Gitarre
Fabe - Drums
Simon - Trompete
Simone - Saxophon
Stoffl - Saxophon
Marcel - Posaune

September 2005:

Ich habe Santeria am 01.09.2005  im  Olympiapark Lilalu Festival gesehen und war begeistert. Das ist DIE Nachwuchsband, die Bluekilla Konkurenz machen wird...
Mit Trompete, Posaune und Saxophon sind Santeria klasse. Der Sänger  Paradizer ist mit Porkpie aufgetreten und hat unter den Kindern und wenigen Erwachsenen eine Bomben-Stimmung gemacht. Teils deutsche, teils englische Texte und fast nur Eigenkompositionen. Eine sehr spassige, sympatische und kurzweilige SKA Band die sich zwischen 2-tone SKA, Latin Ska, Ragggamuffin, Reggae und Punk hin- und herbewegt. Schade, dass ich meinen Fotoapparat vergessen habe, weil die Typen  sahen in ihren Verkleidungen sehr witzig aus(Das Mädl am Sax machte auch eine gute Figur...). Es hat mich richtig erstaunt wieviel gute Lieder diese doch noch einigermaßen neue Band schon hat. Da wird wohl bald eine CD/Schallplatte fällig. T-Shirts haben sie ja schon drucken lassen...

Falls jemand Fotos gemacht hat würde ich sie gerne hier veröffentlichen.

http://www.santeria-online.com (Munich)
http://www.myspace.com/santeriaandthepornhorns
http://www.youtube.com/pornhorns

Santeria Ska Reggae Raggamuffin from Munich

Santeria im August 2007:

Gestern, am 26. August 2007 durfte ich Santeria gemeinsam mit Caplis von Desorden Público (Caracas, Venezuela) und anderen Freunden nochmals im Olympiapark Lilalu Festival sehen, wo Bepi auch noch so nett war und mir die neueste Santeria CD geschenkt hatte. Diese Woche ist wirklich klasse; erst bekomme ich die neueste Desorden Público CD von Caplis geschenkt, und dann auch noch die neue Santeria CD.
Ich bin richtig begeistert von dem spritzigem Ska/Rocksteady,...??? Sound. Live und als Konserve ist Santeria inzwischen eine meiner Lieblingsbands. Es ist schön eine so positive Entwicklung mit zu bekommen. Santeria singen wie die meisten deutschen Ska Bands hauptsächlich englisch, haben aber auch deutsche Texte, was das Ganze abwechslungsreicher macht. Ich finde, dass gerade die Lieder mit einem Anteil an deutschen Texten gut herüber kommen. Live at LiLaLu Festival im Olympiapark hat dann auch ein Mädel italienisch gesungen. Soundmäßig legt sich Santeria nicht richtig fest, was sehr für Kurzweile sorgt. Da wird Ska mit Punk gemischt, und auch ruhige Töne finden sich auf der CD wieder. Schön, dass Santeria beschlossen hatten nicht nur simplen Punkrock zu spielen sondern Ska mit verschiedenen Musikstielen mischen. Sie schaffen es schwungvoll und gleichzeitig melodiös zu sein. Auch die Weisen, die Santeria auf Denglisch wiedergeben finde ich sehr interessant.
Ich kann jedem nur empfehlen sich Santeria anzuhören. Besonders gut finde ich natürlich, dass Santeria oft umsonst und draußen spielen.


Santeria and The Porn Horns - Rocksteady Telegraph

Santeria and The Porn Horns Ska aus München

Santeria and The Porn Horns - Rocksteady Telegraph
http://www.amazon.de/Rocksteady-Telegraph-Santeria-Porn-Horns/ Hier kann man bei Amazon reinhören

01. Police recruiting song
02. No good
03. Red alert
04. Coconut woman
05. Höher schneller weiter
06. Fire and a roof
07. Funny
08. 38 Grade
09. After midnight
10. On a trip
11. Can't wake up
12. Looking for freedom
13. Waste your life

Santeria and The Porn Horns bestehen 2007 aus:
Andi (Vocals)
Sebi (Keyboards)
Don Bepone (Guitar)
Roberto (Guitar)
Fabe (Drums)
Kongo Joe (Bass)
The Porn Horns Brass Section:
Hannes (Saxophone)
Stefan (Trumpet)

Santeria and The Porn Horns - Rocksteady Telegraph Tour 2007:

    21.09.2007    A-Innsbruck    Treibhaus    Clubshow    21:00    www.treibhaus.at
    22.09.2007    Regensburg    Privatfest    Privatfest    21:00    www.pornhorns.de
    24.10.2007    Marburg    KFZ    Clubshow    21:00    www.kfz-marburg.de
    25.10.2007    Augsburg    Mahagoni Bar    Clubshow    21:00    www.mahagonibar.de

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Elusive Forces

Die zweite Band war da schon etwas besser. Es kannte sie zwar keine alte Sau
und auch der Name (Exlusive Forces?) war ziemlich beschissen aber dafür war
der Sound um einiges ausgereifter. Die Hauptprobleme lagen bei dieser Gruppe
eher am sich Verkaufen. Es fehlte einfach die nötige Ausstrahlung, die
selbst die Rastazozen des Hauptsängers nicht wettmachen konnten. Sie sahen
aus als hätten sie nur die Reste aus der Altkleidersammlung abbekommen. Bis
auf den Sänger waren ihre Haarprachten auch eher eines Couchpotatoes wie ich
es inzwischen bin, als der von Mitgliedern einer Band würdig. Dazu kam noch,
dass sie sich kaum mehr als im Studio bei Aufnahmen bewegten. Vielleicht
müssen sie ja nur mal zu einem Sängerwettbewerb wie sie ja momentan aus
allen Fernsehkanälen quillen gehen. Der letzte Kommentar des Ernesto "CHE"
Verschnitts war dann sehr trollig. Na ja, Che Guevara war schließlich auch
aus höherem Haus wie vermutlich auch einige der Starnberger Musikkapelle.
Vom Sound her konnten sie sich auf alle Fälle sehen oder besser hören
lassen.

Nachtrag zu Elusive Forces:
Es war im Januar, als mir einer der Musiker von Elusive Forces eine E-Mail schrieb, in der er sich bitterböse über meinen Konzertbericht beschwert hatte. Es ging schon damit los, dass ich den Titel der Band falsch geschrieben hatte. Er schrieb, mein Bericht über das Konzert sei subjektiv und arrogant gewesen. Elusive Forces hätte das erste Mal vor einem so großem Publikum gespielt, was etwas gewöhnungsbedürftig ist.

Es tut mir natürlich leid, dass ich den Namen von Elusive Forces kontinuierlich falsch geschrieben hatte, aber den Name von Elusive Forces war mir leider nicht mehr ganz in Erinnerung, was ich mit dem Fragezeichen hinter dem Bandnamen bereits vorsichtig andeutete. Ebenso will ich mich hiermit ganz offiziell über die nicht ganz nette Konzertkritik entschuldigen.

Wenn ich etwas schreibe, so ist es immer subjektiv, da ich nur meine persönliche Meinung bzw. meinen persönlichen Geschmack vertrete. Ich denke, und hoffe, dass Elusive Forces noch öfters auf der Bühne zu sehen sein wird, wodurch sie sicherlich lernen werden sich als Gesamtkunstwerk zu verkaufen. Ich muss zugeben, dass es um einiges leichter ist zu kritisieren als selbst etwas zu machen. Auf der Bühne würde ich sicherlich eine ganz schlechte Figur machen. Die Musik von Elusive Forces fand ich gut, was eigentlich das Wichtigste an einer Konzertkritik sein sollte.

Wer mit dem Namen googelt wird schnell ein paar Lieder auf mp3 von Elusive Forces im Internet aufstöbern.

Die Seite von Elusive Forces ist leider 2011 nicht mehr verfügbar:
http://www.elusive-forces.de/

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SKALARIAK

Den Hauptakt kannte ich nur von verschiedenen Samplern oder
Compilationen(Latin Ska und ...), auf denen sie immer in Ihrer baskischen
Landessprache sangen. Wie man es von einer baskischen Band erwartet sind sie
linksradikal und gleichzeitig supernationalistisch, was für Deutsche
unvorstellbar ist. Sie spielten schnellen witzigen Ska und machten auch eine
sehr gute Bühnenshow, wie es sich für eine mehr oder weniger professionelle
Ska Band gehört. Es ist zwar nicht fair sie mit einer anderen Band zu
vergleichen aber sie hatten in etwa die Ausstrahlung und den mit reißenden
Charm von Bands wie SKA-P. Schnell und dabei noch melodiös zu sein ist
einfach genial. Das einzige, was mich an Baskischen Bands etwas stört ist
ihr extremer Nationalismus, der eigentlich nicht unbedingt zu Ska- Musik
gehört. Bei Skalariak merkte man jedoch wenig davon, weil sie einfach nur
spielten und Baskisch außer den Basken selbst sowieso keine alte Sau
versteht. Sie spielen fröhlich ihre Nationalistischen Lieder ohne dass man
es merkt, was ich dann doch wieder cool finde.

Alles in Allem waren die Bands ihr Geld locker wert.
Im Nachhinein finde ich es nur schade, dass ich keine Fotos gemacht habe.
Vielleicht hätte ich ja wieder einen Schnappschuss  vom Woidda machen
können, der für so etwas ja immer gut ist.

Um wieder auf den Infostand irgend welcher linken Gruppierungen
zurückzukommen. Es sah so aus als sei die Tour oder zumindest das Konzert
von denen organisiert worden wäre. Irgendwie ist es schon witzig, dass sie
sich für eine nationalistische Band einsetzen nur weil es Basken sind. Ich
würde ganz gerne mal die selben (meist preußischen) Hanswursten sagen würden
wenn jemand behauptet er sei links und gleichzeitig national bairisch
eingestellt. Ich denke mir, dass dieses intellektuelle Geschwerl ihre Bibel,
über den Klassenkampf zitieren würden um einem zu erklären, dass
Nationalismus nicht mit der Idee des Sozialismus/Kommunismus vereinbar sind.
Bin dafür dass wir mal so zum Spaß für ein freies linkes Bayern
demonstrieren und sie einladen mitzumarschieren. Mal schauen was die linken
und rechten Kasperlköpfe dazu sagen würden.

Eigentlich sollten einem ja der nationale Schmarrn egal sein weil wir ja
Menschen unter Menschen sein sollten aber was soll`s. Ich werde die Welt
ebenso wenig verbessern wie irgend welche Leute die meinen sie müssten sich
einer Partei anschließen und jedem die Parteilinie auf`s Auge drücken. Das
Konzert von Skalariak war super und sie hatten ihre meines Erachtens  etwas
irrwitzige politische Einstellung locker rübergebracht ohne dabei
aufdringlich zu sein. Politische Stände auf Ska Konzerten finde ich einfach
nur nervig. Wer Ska hört ist normalerweise gegen Rechts, und hat ein Recht
auf Spaß - und den hat man nur bei Ideologiefreien Konzerten.
PUNKT
 

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